Jeckische Schlachtrufe – Die Vielfalt der deutschen Karnevalsgrüße

Oktober 14, 2014
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Bis zum Beginn der 5. Jahreszeit sind es zwar noch rund 6 Wochen, in den Karnevalsvereinen laufen die Vorbereitungen aber schon auf Hochtouren. Höchste Zeit für uns, sich einmal näher mit einigen Karnevalstraditionen zu beschäftigen. Der folgende Beitrag widmet sich daher den Karnevalsausrufen. Gehen Sie mit uns auf Spurensuche zu den Ursprüngen und Bedeutungen von Helau, Alaaf und Co.

Hellau Alaaf Narrenkappe

Hellau Alaaf Narrenkappe

Närrische Begrüßung und Büttenreden-Abschluss

Die Karnevalsausrufe, auch unter der Bezeichnung Narrenrufe, Karnevalsgrüße oder närrische Schlachtrufe bekannt, erfolgen einerseits am Ende einer Büttenrede, andererseits ist es eine Begrüßung zwischen den Närrinnen und Narren. Am bekanntesten sind sicherlich die Ausrufe „Helau“ und „Alaaf“, was vor allem daran liegt, dass sie überregional am häufigsten verwendet werden. Und doch gibt es schon innerhalb der Faschingsregion schlechthin – dem Rheinland – Unterschiede. So beschränken sich z.B. die Kölner auf das Alaaf, während in Düsseldorf oder Mainz Helau an der Tagesordnung steht.

Natürlich gibt es auch noch zahlreiche weitere Ausrufe. Um die regionale Karnevalsruf-Vielfalt zu verdeutlichen, geben wir Ihnen im Folgenden einige Beispiele:

Ho Narro – Der für Konstanz typische Ruf ertönt vor allem beim sogenannten Hemdglonker, einem Umzug, der häufig am späten Abend oder frühen Morgen stattfindet und bei dem die Teilnehmer in Nachthemden bekleidet und mit Trommeln, Schellen und ähnlichen Gegenständen lärmend durch die Stadt ziehen.

Halex Der Ruf „Halex“ geht auf die spöttische Bezeichnung „ahl Hex“ (alte Hexe) zurück. Er ist der traditionelle Karnevalsruf der Bischofsheimer.

Rabu „Rabu“ steht für die sächsische Stadt Radeburg in der Nähe von Dresden. Es handelt sich hier eigentlich um einen zweigeteilten Ruf: Die Umzugsteilnehmer bzw. der Büttenredner rufen „Ra“ und die Zuschauer antworten mit „Bu“.

Alleh Hopp Ist vor allem im Saarland verbreitet und geht auf das französische „allez hop!“ zurück, was übersetzt so viel wie „los geht’s“ bedeutet.

Hei-Jo Hei-Jo ist der typische Ausruf der Berliner Karnevalisten. Er setzt sich aus den Begriffen Heiterkeit und Jokus zusammen.

Ahoi Dieser Ruf ist vor allem im Norddeutschland verbreitet und geht auf die Schifffahrt zurück. Hier grüßt sozusagen die Besatzung des Narrenschiffs.

Herkunft ungewiss

Die Ursprünge der beiden berühmtesten Ausrufe Helau und Alaaf sind nicht genau geklärt. Einige Forscher führen das Helau auf die Begrüßungen „Hallo“ oder „He, du da“ zurück. Andere wiederum sagen, dass der Ruf eher das „Halleluja“ der Lächerlichkeit preisgeben sollte. Dafür würde zumindest die noch heute bekannte Rufvariante „Ajuja“ sprechen. Zudem entstanden die Faschingsveranstaltungen ursprünglich, um die Obrigkeit zu verhöhnen.

Für den Ausspruch „Alaaf“ gibt es drei Ursprungsvarianten: ein mittelalterlicher Trinkspruch, die altdeutsche Form des Wortes „Maske“ oder der Begriff „all af“ – altkölnisch für „alles weg“.

Abgrenzung von anderen Karnevalsregionen

Die vielen unterschiedlichen Karnevalsausrufe – insgesamt existieren in Deutschland fast 500 – entstanden vor allem dadurch, um sich zur nächsten Stadt, zur Gemeinde oder Region abzugrenzen. Doch auch historisch lassen sich viele Ausrufe erklären, wie oben in den Beispielen zu sehen ist.

Die Ausrufe sind nicht selten ein Grund für Auseinandersetzung. Sie sollten es z.B. auf jeden Fall vermeiden, in Köln Helau oder in Düsseldorf Alaaf zu rufen. Beide Städte verbindet nämlich eine Rivalität, deren Ursprünge im 11. Jahrhundert liegen. Damals war Köln bereits eine bedeutende Handelsstadt und dem eher provinziellen Düsseldorf weit voraus. Letzteres holte allerdings in der Industrialisierung deutlich auf und zog an der Domstadt vorbei. Diese Konkurrenz ist bis heute geblieben und hat schon so einigen unwissenden Touristen mit dem „falschen“ Karnevalsruf auf den Lippen einen missmutigen Blick der jeweiligen Einwohner beschert.

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