Die Geschichte der Stickerei

April 24, 2015
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Das Sticken ist eine beliebte Art, um Kleidung mehr Individualität zu verleihen und Textilien zu veredeln. Grundmaterialien wie Leder oder Stoff werden dabei durch Aufnähen oder Durchziehen der Garnfäden kunstvoll verziert. In allen Kulturen und Religionen der Welt findet man Stickereien. Die Motive reichen von einfachen kleinen Mustern und Blumen über Alltagsszenen bis hin zu aufwendigen Bildern wie Geburten, Hochzeiten oder sogar den Tod. Manche Stickereien sind einfach gehalten, andere sehr fantasiereich und detailgetreu.

Die Anfänge der Stickerei

Geschichte der Stickerei
Das Stickereihandwerk schaut auf eine lange Geschichte zurück. So belegen Funde, dass es schon 5000 v. Chr. bestickte Kleidungstücke in den verschiedensten Regionen wie Ägypten, China und Südamerika gab. Eine Ursprungsregion für das Sticken lässt sich dabei nicht herausfiltern. In den Anfängen der Stickerei wurden zunächst geometrische Figuren gestickt. Erst später wurden Kleidungstücke und Gegenstände mit figürlichen Darstellungen und ganzen Bildern verschönert. Zur Veredlung kamen außerdem Goldfäden, Bänder und Perlen zum Einsatz. Das Verzieren von Kleidung gewann schnell an Beliebtheit. Edle Stickereien befanden sich auf den Gewändern und Mänteln von römischen Konsuln, Tribunen und Kaisern. Auch Klöster pflegten im Mittelalter die Stickerei, um liturgische Gewänder herzustellen oder in Kirchenräumen verwendete Textilien zu veredeln. Bestickte Stoffe galten dabei stets als Zeichen des Wohlstands, da das Sticken viel Zeit und Geld kostete. Aus diesem Grund war dieses Handwerk ein Privileg, das der wohlhabenden Bevölkerung vorbehalten war oder für religiöse Zwecke diente. Adelige Frauen lernten bereits in ihrer Kindheit die Erstellung möglichst schöner Textilverzierungen.

Entwicklung der ersten Stickmaschinen

Die Stickerei gewann im Laufe der Zeit zunehmend an Bedeutung. Angesichts der großen Nachfrage versuchten Erfinder, das zeitaufwendige Handsticken durch Maschinen zu vereinfachen. Besonders die industrielle Revolution veränderte die Textiltechnologien von Grund auf. Das betraf nicht nur das Nähen, sondern auch das Sticken. Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelten die Schweizer Franz Rittmeyer und Anton Vogler die allererste mechanische Stickmaschine, welche den Faden durch ein vertikal gespanntes Stoffteil hin und her zog und auf diese Weise das Handsticken nachahmte. Die Maschine arbeitete dabei nach demselben Grundprinzip wie moderne Stickmaschinen. Während der Stoff bewegt wird, sticht die Nadel immer an denselben Punkt. Die Bewegung des Stoffes wurde dabei durch einen sogenannten Pantographen gesteuert.

Etwa zur gleichen Zeit erfand der Schweizer Isaak Groebli die erste Großstickmaschine, die sogenannte Schifflimaschine. Diese verband die Techniken der Großwebstühle mit denen der Nähmaschinen und arbeitete mit einem Ober- und Unterfaden. Der Vorteil war, dass beide Fäden auf Spulen abgerollt wurden, wodurch das mühselige Einfädeln wie bei der Handstickmaschine entfiel. Auch hier wurde die Stoffbewegung durch einen Pantographen gesteuert. Doch diese beiden Erfindungen waren erst der Anfang. Ebenso wie die Nähmaschinen entwickelten sich auch die Stickmaschinen ständig weiter. Die fortschrittlicheren Stickmaschinen arbeiteten mit vielen Nadeln gleichzeitig und beschleunigten das Sticken enorm. Schon bald bildete sich ein neuer Zweig in der Textilverarbeitung: das industrielle Sticken.

Moderne Stickmaschine

Moderne Stickmaschine

Sticken in der heutigen Zeit

Ein Meilenstein in der Geschichte der Stickerei ist das Jahr 1913, als es der Firma Saurer in Arbon gelang, eine Stickmaschine zu erstellen, die 100 Stiche in der Minute schaffte und dabei Stickereien in hoher Qualität herstellte. Für damals eine Besonderheit. Die Stickmaschinen von heute sind elektronisch gesteuert und leisten wesentlich mehr. Bis zu 1400 Stiche in der Minute sind durch Hochleistungs-Stickmaschinen möglich. Neben den computergesteuerten Stickmaschinen wird oftmals zusätzlich eine Punchsoftware eingesetzt. Durch diese können verschiedenste Motive detailgenau umgesetzt werden. Von einfachen Logos bis hin zu komplexen Verzierungen ist alles möglich. Auf diese Weise entstehen einmalige Textilien und hochwertige und strapazierfähige Werbeträger. Beispielsweise lassen Unternehmen ihre Kleidung mit ihrem Logo besticken, aber auch im privaten Bereich erfreut sich das Sticken großer Beliebtheit. Vor allem Frauen betrachten dieses Handwerk als angenehmen Zeitvertreib, bei dem sie sich entspannen können und gleichzeitig kleine Stick-Kunstwerke schaffen.

Quellenangabe / Bild

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